NachgeSCHLENDER(er)t: Isenburg

[017-15-16.8-234.1-2143.1]


Ein Baum - der fällt - macht mehr Krach als ein Wald, der wächst.
[tibetanisches Sprichwort]


Druckfrisch lag es in meiner Hand, das Buch "Wanderlust im Westerwald - Der Schlenderer on Tour" aus dem Drosteverlag.
Erst ein kurzes Blättern, dann konnte ich es schon nicht mehr aus der Hand legen.

Eine Rezension zum Buch findet sich unterhalb dieses Berichtes.

Ich entschloss mich dazu, die Tour Nummer 06 - "Durch den Wald zur Isenburg" - nachzuwandern. Das war die beste Entscheidung heute ;-)

Ich verzichte auf eine ausführlichere Wegbeschreibung mit Abbiegehinweisen etc.
Ihr sollt Euch ja schließlich auch den Wanderführer kaufen ;-)





Wie könnte es anders sein: ich verpasse mal wieder den im Buch eindeutig beschriebenen Startpunkt auf dem Wanderparkplatz "Bernsmühlchen" und beginne die Wanderung am Wanderparkplatz "Am Heidegraben" kurz vor Anhausen.

So kommen etwa 3,4 km zur eigentlichen Wanderung hinzu.



Direkt am Parkplatz findet sich dann auch eine rekonstruierte Limes-Palisade am Kleinkastell Anhausen.

Dominierend auf dieser Rundwanderung ist natürlich der Waldanteil.

Aber das wird ja auch durch die ursprüngliche Tour-Bezeichnung deutlich.

Und ausserdem heißt es WesterWALD und nicht WesterGANZVIELOFFENEFLÄCHEN ;-)

Auf meinem Navi sehe ich eine Schleife, die ich abkürzen könnte. Falsche Idee - gaaaanz falsch. Die Schleife bringt mich zu dieser Meilerhütte. Ein Meiler wird aus Holzscheiter geschichtet, und dann mit Erde, Gras und Moos, Asche etc. luftdicht überschüttet. Die Hitze des glimmenden Holzes im Innern des Meilers treibt alle flüssigen und organischen Bestandteile als Rauch aus dem Holz. So bleibt zu rund 98 % nur das Kohlenstoffgerüst der Holzzellen zurück (Wiki).


Meist sind wir auf Forst- und Waldwegen unterwegs.

Immer wieder laufen wir an einem Bach oder Rinnsal vorbei - jedoch zu wenig, um unterwegs auf Flüssigkeit für Hunde verzichten zu können.



Über diese Holzbrücke geht es über den Iserbach, einem linken Nebenfluss des Saynbachs in Rheinland-Pfalz.






Es geht an dieser Schutzhütte "Am Steinbruch" vorbei.


Wir sind nunmehr auf einem Teilstück der Wällertour Iserbachschleife unterwegs, die uns bis nach Isenburg führen wird.



Bald haben wir die K113 erreicht und laufen parallel zu ihr, bis wir sie in einer recht unübersichtlichen Kurve überqueren, um danach wieder in die Höhe geführt zu werden.

Zwischendurch mal einen Blick auf die eingerichteten Anzeigedaten auf meinem Garmin eTrex.
Bislang für 6,78 Kilometer Gesamtstrecke 1 Stunde 18 Minuten gebraucht (davon 1h 6min reine Bewegungszeit).

Wir sind scheinbar recht schnell unterwegs.

Kurz vor Isenburg gibt es entlang des Weges zwei Aussichtspunkte, so zum einen den Abstecher zum "Isenburgblick" auf einem schmalen Grat, der Schwindelfreiheit und einen gehorchenden Hund erfordert.

Ein weiterer folgt. Es ist der Isertalblick.




Bald haben wir Isenburg erreicht und durchqueren die Schildpforte.



Laut Hinweisschild wurde sie Anfang des 14. Jahrhunderts als Teil der Ortsbefestigung zusammen mit drei weiteren Toren erbaut.


Es geht in den Ort hinein und mit einem Abstecher hoch zur Burgruine Isenburg, einer im Jahre 1103 urkundlich erwähnten Höhenburg.




Im Jahre 1625 war die Burg noch bewohnt. Sie diente zu dieser Zeit in erster Linie als Witwensitz. 1633 war sie von spanischen Truppen besetzt aber nicht zerstört worden (Quelle).

Im Jahr 1771 stürzte die südliche Hälfte des Bergfrieds zusammen mit dem Treppenhaus ein.
Nach Isenburger Gemeinderechnungen von 1783 bis 1810 diente die Ruine als Steinbruch.
Die Isenburg ist eine romanische Höhenburg und war sehr großzügig und geräumig angelegt. Sie ist die zweitälteste Burg im Landkreis Neuwied (Quelle wie vor).



Wir verlassen den Ort und es treibt uns jetzt doch etwas anstrengender in die Höhe.




Bald schon erreichen wir die Kirchenruine Hausenborn, bzw. den ersten sichtbare Hinweis: Jesus am Kreuz.

Ich bin Atheist, bitte jedoch - wie ich es auch an Schreinen anderer Religionen tuen würde - ein Augenmerk und Obacht auf meinen Rüden zu halten.
 
Die Wallfahrtskirche Hausenborn wurde 1441 als Stiftung der Herren von Isenburg erbaut und im Jahre 1788 aufgegeben.
1984 konnte mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden und 1990 erfolgte die Einsegnung der Pietà als Duplikat des historischen Vesperbildes aus dem 15. Jahrhundert (Quelle).


Ich treffe in der Ruine auf einen älteren Mann und seinen Enkel.

Nach einem kurzen erquickenden Gespräch geht es weiter.



Nach mehreren Schleifen gelangen wir wieder auf den Limesweg und finden hier den Hinweis auf den Keltenfriedhof mit 50 Hügelgräbern aus der frühen Eisenzeit.


Wir befinden uns am Römerwachtposten 1/43, dessen Grundmauern rekonstruiert wurden.

Direkt dahinter schließt sich der Wanderparkplatz "Bernsmühlchen" an und unsere Wanderung würde hier enden - wenn wir nicht woanders geparkt hätten. ;-)



Mit einer Schleife über den Waldlehr- und Wanderpfad erhaschen wir an dieser Sitzgelegenheit einen Blick in grobe Richtung des Rheintales.



Über einen schmalen Pfad gehen wir parallel zur "Hinstrecke" weiter.

Das macht Spaß.

Bald haben wir das römische Kleinkastell Anhausen und somit auch den Endpunkt unserer Wanderung erreicht.

An dem Kastellplatz erreicht der Limes im Verlauf des Bogens, den er um das Neuwieder Becken schlägt, seinen nördlichsten und zugleich höchsten Punkt. In antiker Zeit diente das Kleinkastell hier der Überwachung mehrerer Straßen, die in diesem Bereich unter Ausnutzung der Passlage den Limes kreuzten (Quelle).




Und noch schnell das Höhenprofil der Wanderung laut meines Navis.





Fazit zur Wanderung:

Trotz des  - bis kurz vor Ende der Wanderung anhaltenden - diesigen Wetters hat mich diese Rundwanderung wirklich begeistert. Viele Besonderheiten auf dieser Tour, aber auch die Stille des Waldes taten ein übriges dazu.


Fazit zum Wanderführer:

Schon lange folge ich Karl-Georg Müller - alias Der Schlenderer - in Bezug auf seine Wanderberichte auf seiner Facebookseite bzw. seinem Internetauftritt.
Seine Berichte sind sehr informativ und heiter dabei - nicht selten schleicht sich ein Lächeln in mein Gesicht.

So wartete ich mit Spannung auf seinen angekündigten Wanderführer und wurde nicht enttäuscht.

Es gibt Bücher, die legt man nicht aus der Hand.
Doch jetzt ist es das erste Mal, dass mir dies bei einem Wanderführer passiert ist.

Ich bin schon einige tausende Kilometer gemeinsam mit meinem Rüden durch die nähere Gegend gewandert - so auch im Westerwald, der quasi fast vor der Haustüre liegt. Mir fielen nicht mehr viele Wanderungen ein, die ich noch gehen könnte.
Doch mit diesem Buch sind 24 neue Touren hinzugekommen.
Die Beschreibung ist stimmig, die Highlights des Weges ausreichend hervorgehoben ohne langatmig zu werden.

Insgesamt gefallen mir die Grundinformationen  zur Wanderung. Seien es die Angaben zur "idealen Wanderzeit", die Angaben zur Länge, den Höhenmetern, zur wahrscheinlichen Wanderdauer, zum Streckenprofil und Erreichbarkeit des Startpunktes - sowie weitere Daten.

Entsprechende GPX-Daten zur Nachwanderung mittels eines entsprechenden Wandernavigationsgerät bzwv. Smartphone-App können beim Drosteverlag heruntergeladen werden.

Insgesamt ein stimmiger Wanderführer, der Lust auf das Wandern macht.

Ich danke Dir, Karl-Georg!


Mein - erweiterter - Wandertrack und Übersicht:


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Kommentare

Elke hat gesagt…
Sag ich doch, der ist gut!
Schon die Aufmachung regt an dieses Buch haben zu wollen, finde ich.

Jetzt mach mal das Wetter gut, damit wir wieder mit Wonne nach draußen gehen können, in den Westerwald :-)
Anonym hat gesagt…
Hallo Mungo,

nein ich bin kein Roboter, sondern oute mich jetzt mal als treue Leserin deines Blogs und wollte an dieser Stelle endlich mal sagen, dass ich die Strecken und deine Fotos immer wieder klasse finde,selbst wenn du bei so bescheidenem Wetter unterwegs bist. Richtig schöner Blog! (Und schöner Hund ;-)

Viele Grüsse aus Godesberg
Claudia
Mungo Mungenast hat gesagt…
@ Elke: Wenn wir uns anstrengen, sind wir vielleicht bald die erste, die alle Schlendertouren gegangen sind ;-)
Mungo Mungenast hat gesagt…
Hallo Claudia!

Jetzt habe ich das auch mit dem Roboter verstanden ;-)
Ist scheinbar neu bei Google.

Ganz lieben Dank für Dein Lob. Darüber freue ich mich besonders.

Manchmal wäre Sonnenschein schon nicht schlecht - lach.

Es gibt so viel im Umkreis zu entdecken und ich versuche Dir dann auch weiter für Dich klasse Bilder zu schießen.

Lieben Dank: Mungo