Ausflug Stadtmuseum Bonn


Peinlich.
Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, dass es ein Stadtmuseum Bonn gibt.

Ein Kollege hatte mich darauf aufmerksam gemacht.
Als "Ur-Bönnsche-Jung" war es sodann ein MUSS für mich, dieses aufzusuchen.

Es befindet sich an der Anschrift Franziskanerstraße 9 in 53111 Bonn, also dort, wo sich auch der Haupteingang des ehemaligen Victoriabad befunden hat.

Nach Entrichtung des Eintrittspreises von nur (!) 2,50 € pro Person - meines Erachtens rechtfertigt diese Ausstellung durchaus einen höheren Eintrittspreis - begeben wir uns zum "Start" der zweigeschossigen Dauerausstellung Von der Römerzeit bis heute im 2. Obergeschoss.

In diesem Geschoss sind die Themen >Das römische Bonn<, >Vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches<, >Bonn und Umgebung in zeitgenössischen Ansichten vom 16. bis 20. Jahrhundert<, >Bonn als Haupt- und Residenzstadt der Kölner Kurfürsten und die Kurfürstliche Gallerie<, >Bonn vom ausgehenden 18. bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts< und das >Schmidtbonn-Zimmer< vertreten.


Wir betrachten das Exponat des "Hund von Oberkassel".

Es handelt sich lt. Infotafel um den rechten Unterkieferast eines erwachsenen Hundes von etwa 12.000 v. Chr., welches im Doppelgrab von Oberkassel gefunden wurde.



Die einzelnen Räume sind exzellent aufgeteilt, die Lichtstimmung passt.
Die Räume wirken nicht "überfrachtet".



Im Jahre 1989 feierte Bonn seinen 2000. Geburtstag. Die Stadt erinnerte damit an die Errichtung eines ersten befestigten römischen Lagers am Rhein 12 v. Chr, nachdem bereits 38 v. Chr der römische Statthalter Agrippa an der Stelle Ubier angesiedelt hatte (Quelle).




Mit dem Ende des römischen Reiches ging der Niedergang Bonns in der Spätantike und im frühen Mittelalter einher. Während der Raubzüge der Wikinger in den Rheinlanden wurde Bonn 882 zweimal gebrandschatzt und 883 die soeben wieder aufgebaute Stadt ein weiteres mal von den Normannen überfallen, gebrandschatzt und ausgeplündert (Quelle wie vor).


In fränkischer Zeit und endgültig im 9. und 10. Jahrhundert entwickelte sich im Bereich des Bonner Münsters ein geistliches Zentrum, die Villa Basilika, und im Bereich des heutigen Marktes eine Marktsiedlung. 1243 gilt als das Jahr der Verleihung vollständiger Stadtrechte (Quelle wie vor).




Modell des Sterntores Ende des 19. Jahrhunderts.
Große Bedeutung für die weitere Entwicklung der Stadt hatte der Ausgang der Schlacht bei Worringen im Jahr 1288. Die Kölner Kurfürsten machten Bonn – neben Brühl und Poppelsdorf – zu einem ihrer Wohnsitze und schließlich zu ihrer Residenz. Die von den Kurfürsten im 17. und 18. Jahrhundert erbauten prunkvollen Paläste verliehen der Stadt ihren barocken Glanz. Mit der Besetzung durch französische Truppen endete 1794 diese Epoche (Quelle wie vor).





Ausschnitt des Kurfürstlichen Salon.



Das Schmidtbonn-Zimmer.



Nach Napoleons Niederlage fiel 1815 Bonn an Preußen. Die Stadt wurde in den nächsten Jahrzehnten geprägt von der 1818 durch die preußische Regierung neugegründeten Universität.




Es finden sich auch Exponate der Bonner Husaren, genau gesagt dem "Husaren-Regiment König Wilhelm I..








Wir begeben uns nunmehr in das 1. Obergeschoss hinab, um den Themen >Musik in Bonn<, >Großbürgerlicher Salon und Esszimmer der Bonner Unternehmerfamilie Tenten<, >Bonner Firmen<, >Fotoatelier und Modesalon aus der Zeit um 1900<, >Bonner Kolonialwarenladen<, >Bonner Friseursalon um 1900<, >Bonn von ca. 1871 bis zur Weimarer Republik<, >Bonn um ca. 1930 bis 1945< und >Bonn seit 1945 bis heute< unsere Aufmerksamkeit zu widmen.




Das Beethoven Orchester Bonn veranstaltet regelmäßig Konzerte in der Beethovenhalle und kommt auch in der Oper zum Einsatz. Es wurde 1897 als Philharmonisches Orchester Koblenz gegründet und 1907 von der Stadt Bonn als Städtisches Orchester Bonn übernommen (Quelle).




Großbürgerliches Speisezimmer.




Fotoatelier aus der Zeit um 1900.


Nachbildung eines 1893 auf der Sternenburgstraße 66 in Poppelsdorf eröffneten Kolonialwarenladens - der 1988 aus Altersgründen geschlossen wurde.




Ausschnitt Bonner Friseursalon um 1900.





Ein Lächeln zaubert sich in mein Gesicht.
An solche"Kinderstühle" beim Friseur kann ich mich sogar noch erinnern.











Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt zunächst von Kanadiern, dann von Briten und schließlich bis 1926 von Franzosen besetzt (Quelle wie vor).

Mehr als 1.000 Bonner, zum Großteil Bürger jüdischen Glaubens wurden während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet. Etwa 8000 Personen mussten ihre Heimatstadt verlassen, wurden verhaftet oder in Konzentrationslagern eingesperrt. Mehr als 4000 Bonner waren bei Bombenangriffen gestorben. Am 28. Mai 1945 übernahmen britische Truppen als Besatzungsmacht die Stadt (Quelle wie vor).


Nicht nur in der Region sprudelt es kräftig, auch Bonn hatte einmal seine eigene Quelle. Daran werden sich vielleicht noch ältere Bürger erinnern: Bonnaris hieß das Wasser, das 1925 bis 1970 an der Immenburgstraße sprudelte (Quelle).



Nach dem Zweiten Weltkrieg war Bonn bis 1990 Hauptstadt und bis 1999 Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland (Quelle).









Fazit:

Eine wirklich gelungene - nicht überfrachtete - Ausstellung, die unbedingt zu empfehlen ist.
Gerade als Bonner wirkt sie auf einen ein.
Gerne wieder !


Hinweis:

Im 1. Obergeschoss schließt sich direkt die Sonderausstellung "Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus" an.
Hier ist der einzige Bereich im Stadtmuseum mit dem Hinweis auf ein Fotografierverbot, das ich selbstverständlich befolge, so dass in diesem Bericht hierzu keine Bilder zu finden sind.
"Empfehlen" ist hier mit Sicherheit die falsche Wortwahl, so dass ich vielmehr schreibe: ich lege den Besuch dieser Sonderausstellung jedem dringend ans Herz.

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